Untitled
Über dem Eingang hängt ein Schild, schwer zu entziffern. Es könnte Sieg heißen oder auch Gefahr.
Wir ritualisieren Bewegung, das Band, das uns vereint ist Hitze, hohes Fieber. Unser Spielraum ist der Kreis.
Wir bewegen uns auf dem sandigen Pfad. Ein Turm, ein Ring, ein weißer Vogel. Alles ist absurd entzückend. Doch das Beste befindet sich in der Mitte, der Höhepunkt unseres Bemühens.
Im Halbdunkel drehen wir uns um seine Silhouette, entgehen dem Sprung nur durch stetige Bewegung.
Wir bieten unsere Arme- wund im ewigen Kreislauf verbunden.
Wir bieten unser Gesicht.
Wir werden bezahlt fürs Kreisen, also kreisen wir.
Das Publikum zieht uns in seinen Bann, lässt uns nicht gehen oder warten. Wir flüstern:
Atme nicht, bewege dich nicht, während wir unseren Kurs halten, Stunde um Stunde schneller den Ring entlang.
Schimmernde Bruchteile fallen vom Himmel, wir drehen uns dazwischen.
Der Boden, den wir abgenutzt haben, längst zu feinem Staub gerieben, wird aufgewirbelt durch den stetigen Tanz. Er wird unkenntlich, diffus im schillernden Regen. Droht unter uns zu brechen, also verlegen wir unser Kreisen in die Luft.
Über uns fliegen wir in glänzender Uniform, schneiden die Luft in rasenden Bahnen, immer bemüht, den suchenden Blicken zu entkommen.
Perpetuelles Gleichgewicht ist die Voraussetzung auf unserem orbitalen Weg.
Verbunden durch silberne Zöpfe, durch den ganzen Raum gespannt, halten wir nichts von Netzen, wir sind auf unserem rauschenden Höhenflug.
Doch dann ein fataler Fehler. Ein distinktiver Schmerz in der rechten Schulter. Er kann ihn kaum ertragen. Sein Griff ist locker, er kommt ins Schwanken.
Etwas fällt vom Himmel.
Wir wirbeln darunter.
Wir verehren es.
Wir geben ihm einen Namen.
Die dunkle Gestalt setzt zum Sprung an.
EINLADUNG
Komm vorbei und schau dir unseren Tanz an. Wir werden das Licht so weit dimmen, dass man kaum etwas sehen kann.