Disharmonien
Es ist kein Fenster, es ist ein Ton, eingefangen in sichtbarer Form; ein Versuch nicht der Darstellung, sondern der, eine dem Betrachter inne liegende Schwingung anzuregen – zu vergegenwärtigen, präsent zu machen – ein womöglich übergriffiger Akt, nicht immer gewünscht, aber allgegenwärtig. Impression?
Man spricht von Komposition, nicht bloß wegen der Ordnung der Dinge im Raum, sondern weil jedes Arrangement ein Klangkörper ist, bereit, sich in jemandem zu entfalten.
Ein Werk bleibt stumm, wenn niemand da ist, der in sich die entsprechende Stimmgabel trägt. Wahrnehmung: kein Empfang, sondern Resonanzereignis ohne Übertragung.
Ein Impuls, der sein Gegenstück im Inneren braucht, um Bedeutung zu erzeugen.
Präsenz hat Schwingung, ist Schwingung, stellt ein konstantes Signal dar.
Der Mensch, nie unbewegt: Seine Gabel schwingt schon, bevor das Werk ihn trifft, der Gegenstand ihm begegnet. Ein unentwegter Grundzustand.
Und wenn die Frequenzen sich nicht treffen, die Frequenzen sich verfehlen – keine Verstärkung – keine konstruktive Interferenz.
Harmonische Oszillation, nur Konstrukt: Die Annahme, es gebe eine Mitte, eine Gleichstellung des Innen und Außen. Eine Reaktion, die der Reizung gleich ist.
Disharmonie, die Stimmgabel im Menschen, kein beliebiges Mitschwingen. Gebaut aus Erfahrung, Erinnerung, Erwartung – gewachsen und durch eine Existenz be- und gestimmt.
Niemals harmonisch mit dem Gegenüber im Moment der Begegnung; etwas, das sich nicht aufgeben kann, nur um mitzuschwingen, dem rezipierenden Wesen hier gleichartig.
Disharmonie: ein nahezu harmonisches Mit-Schwingen oder gänzliche Dissoziation.