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  • Musik als Gegenstand
    Jg. 17, 2025, Nr. 1
  • Vorwort
    Constanze Rora
  • Aufmerksamkeit als Unterrichtsgegenstand
    Paula Jehnichen
  • Musikbezogene Gefühle als Dimension und Bezugspunkt im künstlerischen Unterricht
    Leontine Bayer
  • Der musikalische Gegenstand in der Praktik des Komponierens – eine praxistheoretische Rekonstruktion des Subjektmodells des*der Komponist*in
    Kristian Haja
  • Funktionale Stimmbildung zwischen Körper und Leib.
    Philipp Andrae
  • ‚Singen‘ als Gegenstand von Unterricht in Hochschule und Schule –Bericht von einer Podiumsdiskussion
    Elke Heiwolt
  • Einleitung zu den Kurzbeiträgen
    Christina Griebel
  • /duː bɪst aʊdi̯ oˈfoːp/
    Amira Baioui
  • Sweetspot
    Benjamin Djamel Belhocine
  • 2025.06.23 — Disharmonien
    Katharina Kluge
  • Disharmonien
    Richard Lang
  • Untitled
    Anna Scheper Rué

Musik als Gegenstand

Jg. 17, 2025, Nr. 1

Inhaltsverzeichnis

Vor­wort

Con­stanze Rora

Aufmerk­samkeit als Unter­richts­ge­gen­stand

Paula Jehnichen

Musik­be­zo­gene Gefüh­le als Dimen­sion und Bezugspunkt im kün­st­lerischen Unter­richt

Leon­tine Bay­er

Der musikalis­che Gegen­stand in der Prak­tik des Kom­ponierens – eine prax­is­the­o­retis­che Rekon­struk­tion des Sub­jek­t­mod­ells des*der Komponist*in

Kris­t­ian Haja

Funk­tionale Stimm­bil­dung zwis­chen Kör­p­er und Leib.

Philipp Andrae

‚Sin­gen‘ als Gegen­stand von Unter­richt in Hochschule und Schule –Bericht von ein­er Podi­ums­diskus­sion

Elke Hei­wolt


Ein­leitung zu den Kurzbeiträ­gen

Christi­na Griebel

/duː bɪst aʊdi̯ oˈfoːp/

Ami­ra Baioui

Sweetspot

Ben­jamin Djamel Bel­hocine

2025.06.23 — Dishar­monien 

Katha­ri­na Kluge

Dishar­monien 

Richard Lang

Unti­tled

Anna Schep­er Rué

  • 3. Dezember 202513. Dezember 2025

Vorwort

Constanze Rora

[Beitrag als pdf]

Die vor­liegende Aus­gabe der ZÄB ist zweit­eilig. Mein Vor­wort bezieht sich auf die ersten fünf Beiträge; in den zweit­en Textblock führt Christi­na Griebel ein.

Musik als Gegen­stand von Unter­richt war der Titel ein­er Tagung, die am 22. Juni 2024 an der Hochschule für Musik und The­ater ‚Felix Mendelssohn Bartholdy‘ Leipzig stat­tfand, und deren Beiträge hier nun in ver­schriftlichter Form vor­liegen

Während der Musikun­ter­richt in der Schule Musik im Namen trägt, kom­men die vielfälti­gen Unter­richts­for­men an der Hochschule, jeden­falls dem Namen nach, ohne diese Beze­ich­nung aus.  Musikun­ter­richt in Schulen ist stets von cur­ric­u­laren Vor­gaben (Rah­men­plan) geprägt. Gle­ichzeit­ig scheint das Wort Musik in diesem Kom­posi­tum eine Leer­stelle zu bilden, die einen Freiraum in Form eines Gestal­tungsspiel­raums eröffnet. Es bleibt offen, um welche Art von Musik es im Unter­richt geht und welche Umgangsweisen mit Musik jew­eils ver­han­delt und eingeübt wer­den, wie also musik­be­zo­gene Lern­prozesse konkret beschaf­fen sind.

Anders als der Musikun­ter­richt in der Schule, der Musik im Namen trägt, kom­men die Beze­ich­nun­gen der vielfälti­gen Unter­richts­for­men an der Hochschule ohne dieses Wort aus. Hier ist von Instru­men­tal- und Gesang­sun­ter­richt, Dirigieren, Ton­satz- und Kom­po­si­tion­sun­ter­richt die Rede. Zu nen­nen sind auch didak­tis­che For­mate, in denen das Anleit­en und Unter­richt­en selb­st zum Gegen­stand wird. Hier­bei spielt Musikun­ter­richt als schulis­ch­er Musikun­ter­richt wiederum auch an Musikhochschulen eine zen­trale Rolle. Gelehrt und gel­ernt wird in Einzel- und Grup­penset­tings. Während kün­st­lerisch­er Unter­richt in der Regel als Einzelun­ter­richt abge­hal­ten wird, find­en Proben, Übun­gen und wis­senschaftliche Sem­i­nare zumeist in Grup­pen statt.

Nicht nur in der Schule, son­dern auch in der Hochschule gibt es Vor­gaben und Rah­menbe­din­gun­gen für den Unter­richt. Je nach Stu­di­en­gang und angestrebtem Berufs­feld ergeben sich im Unter­richt ver­schiedene Zielset­zun­gen. Beispiel­sweise stellt sich Gesang­sun­ter­richt für Schaus­piel­studierende anders dar als für ange­hende Beruf­ssän­gerin­nen. Und in musikpäd­a­gogis­chen Stu­di­engän­gen zielt der Einzelun­ter­richt, im Unter­schied zu den kün­st­lerischen Stu­di­engän­gen, mehr auf die Aus­bil­dung von musikalis­chen All­roundern als von Spezial­is­ten.

Allem Anschein nach ist Musikun­ter­richt nicht gle­ich Musikun­ter­richt. Vielmehr kann dieser sich je nach Kon­text und Set­ting deut­lich unter­schei­den, woraus sich eine Rei­he von Fra­gen ergeben: Was bedeutet es, dass der schulis­che Musikun­ter­richt Musik im Namen trägt, wohinge­gen die genan­nten Unter­richts­for­men an der Hochschule auf diesen Namens­be­standteil verzicht­en? Wie unter­schei­det sich die musikalis­che Per­spek­tive in den ver­schiede­nen Unter­richts­for­men und -for­mat­en? Und wie tritt Musik als Gegen­stand von Unter­richt dabei jew­eils in Erschei­n­ung? In den vor­liegen­den Tex­ten wer­den diese Fra­gen zum Aus­gangspunkt für Erkun­dun­gen musikalis­ch­er Unter­richtswel­ten.

Paula Jehnichen set­zt sich in ihrem Beitrag mit dem Ler­nen im Orch­ester­spiel auseinan­der. Sie bezieht sich dabei auf ein außer­schulis­ches Pro­jekt mit Kindern als Anfänger ohne Vor­erfahrun­gen und zeigt, wie es hier um die Aneig­nung ein­er spez­i­fis­chen Aufmerk­samkeit geht, damit das Zusam­men­spiel gelin­gen kann. Mit ver­gle­ichen­der Bezug­nahme auf die empirische Studie zur Koor­di­na­tion im instru­men­tal­en Ensem­ble­spiel von B. Hell­berg wird als Beson­der­heit des vorgestell­ten Pro­jek­ts die Ein­beziehung von Nota­tion und Diri­gat erläutert.

Gle­ich­falls um den Aspekt der Aufmerk­samkeit geht es in dem Beitrag zur Funk­tionalen Stimm­bil­dung von Philipp Andrae, der mit dem Begriff des Empfind­ung­shören ein Aufmerken des Sin­gen­den auf die eigene stimm­liche Äußerung fasst. Beim Empfind­ung­shören ist das Gehör mit einem ganzkör­per­lichen Empfind­ungskon­takt ver­bun­den. In gedehn­ten Klangübun­gen, die Zeit geben, den Kör­perempfind­un­gen und Hörein­drück­en nachzus­püren sowie mit ein­er beson­deren Form des Fra­gens wird zu ein­er sen­si­tiv­en, selb­staufmerk­samen Stimm­bil­dung päd­a­gogisch hin­geleit­et.

Fra­gen der Selb­staufmerk­samkeit berührt auch der Text von Leon­tine Bay­er. Sie ent­fal­tet aus­ge­hend von einem Gespräch mit der Vio­lin­päd­a­gogin Kon­stanze Bey­er über die Ver­mit­tlung affek­tiv­er Zugänge zu Musik im Geige­nun­ter­richt ein leibphänom­e­nol­o­gisch ori­en­tiertes Ver­ständ­nis musik­be­zo­gen­er Gefüh­le. Hier­bei verbindet sie die von Her­mann Schmitz aus­gear­beit­eten Unter­schei­dung zwis­chen objekt- und sub­jek­t­ge­bun­de­nen Gefühlen mit Beispie­len aus der Unter­richt­sprax­is.

In den Dia­log mit einem Lehren­den kün­st­lerisch­er Prax­is tritt auch Kris­t­ian Haja. Um Kom­po­si­tion­sun­ter­richt als Prak­tikenkon­stel­la­tion zu erkun­den, spricht er mit dem Kom­pon­is­ten Fabi­en Lévy über dessen Ver­ständ­nis von Lehre im Fach Kom­po­si­tion.

Aus­ge­hend von ein­er Rekon­struk­tion der Aus­sagen Lévys über Kom­po­si­tion­sun­ter­richt, arbeit­et er als Sub­jek­t­fig­ur dieser Prak­tikenkon­stel­la­tion den „kreativ­en Intellek­tuellen“ her­aus und disku­tiert die Möglichkeit, Schülern an diese Prak­tikenkon­stel­la­tion her­anzuführen.

Um das Sin­gen geht es in dem Bericht zu ein­er Podi­ums­diskus­sion von Elke Hei­wolt. Hier kom­men Musik­lehrkräfte der Schule mit Gesangspädagog:innen  der Hochschule ins Gespräch über die Anforderun­gen, die das Sin­gen mit Kindern und Jugendlichen an die Unter­rich­t­en­den stellt und über die Frage, wie der Gesang­sun­ter­richt an der Hochschule auf diese Anforderun­gen vor­bere­it­et bzw. vor­bere­it­en sollte.

  • 2. Dezember 20253. Dezember 2025

Aufmerksamkeit als Unterrichtsgegenstand

Paula Jehnichen

Überlegungen zum Orchesterspiel-Lernen anhand des Projekts Musaik

Einleitung: Orchester als Unterricht

[Beitrag als pdf]

Orch­ester bilden in Deutsch­land einen wesentlichen Teil der öffentlichen Musik­land­schaft, des Musik­lebens an Schulen, Musikschulen und Musikhochschulen. Auch wenn die Beze­ich­nung „Orch­ester“ bere­its eine starke Ein­gren­zung inner­halb gemein­schaftlich­er Musizier­for­men vorn­immt, fall­en unter diesen Begriff doch eine Vielzahl von denkbaren musikalis­chen Ensem­bles, die sich anhand zahlre­ich­er Merk­male wie beispiel­sweise ihren Ziel­grup­pen, ihren Beset­zun­gen, ihrem Reper­toire und ihrer Pro­fes­sion­al­ität unter­schei­den.

Aus­ge­hend davon, dass es sich beim Orch­ester­spiel um eine spez­i­fis­che musikalis­che Prax­is han­delt, die bes­timmte Fähigkeit­en voraus­set­zt, stellt sich die Frage, um welche Fähigkeit­en es sich hier han­delt. Im Gegen­satz zu anderen Bere­ichen des formellen Musik­ler­nens gibt es für das Orch­ester­spiel deut­lich weniger Han­dre­ichun­gen, Lehrpläne, Methodiken oder Didak­tiken. Trotz­dem ist davon auszuge­hen, dass man Orch­ester­spiel erler­nen kann und die notwendi­gen Fähigkeit­en nicht aus dem Stand erwirbt, dass es Orch­ester ver­schieden­er Niveaustufen gibt und dass im Kinder- und Jugen­dorch­ester bzw. in nicht-pro­fes­sionellen (aber vielle­icht eben­so in pro­fes­sionellen) Orch­estern gel­ernt wird. Daher spreche ich im Fol­gen­den von Orch­ester­spiel als Unter­richt.

Was aber lernt man, wenn man in einem Orch­ester spielt? Welche Fähigkeit­en benötigt man, um sagen zu kön­nen, dass man Orch­ester­spiel beherrscht? Wie wer­den diese Fähigkeit­en erwor­ben und wie wird ihr Erwerb von päd­a­gogis­ch­er Seite aus unter­stützt? Anders gefragt: Was ist der Gegen­stand von Orch­ester­spiel-Unter­richt?

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  • 1. Dezember 20253. Dezember 2025

Musikbezogene Gefühle als Dimension und Bezugspunkt im künstlerischen Unterricht

Leontine Bayer

Wie Gefühle zum Gegenstand des Geigenunterrichts gemacht werden können

[Beitrag als pdf]

Ein­leitung

Gefüh­le durch ein Instru­ment auszu­drück­en und für andere fühlbar zu machen, scheint ein zen­trales Ziel des Instru­men­talun­ter­richts zu sein. So wird häu­fig ein gefüh­lvolles Spiel angestrebt, welch­es über die bloße Aus­führung des Noten­textes hin­aus­ge­ht. Doch um dieses Ziel zu erre­ichen, müssen musik­be­zo­gene Gefüh­le auch eine Dimen­sion und ein Bezugspunkt des Instru­men­talun­ter­richts sein. Der Beitrag wid­met sich daher der Frage, ob und auf welche Weise musik­be­zo­gene Gefüh­le als Unter­richts­ge­gen­stand des kün­st­lerischen Unter­richts an Musikhochschulen ver­mit­telt wer­den kön­nen. Konkrete Hin­weise für die Instru­men­talun­ter­richt­sprax­is wer­den zwar angeris­sen, jedoch zie­len die fol­gen­den Über­legun­gen vor­rangig auf eine the­o­retis­che Auseinan­der­set­zung.

Der Artikel geht aus einem Dia­log zwis­chen der Autorin und der Vio­lin­päd­a­gogin Kon­stanze Bey­er her­vor, der am 22.06.2024 auf der Tagung „Musik als Gegen­stand von Unter­richt“ an der HMT Leipzig geführt wurde. Für diesen Auf­satz wer­den Erfahrungs­berichte aus der Unter­richts- und Spiel­prax­is von Kon­stanze Bey­er mit ein­er phänom­e­nol­o­gis­chen Per­spek­tive auf musik­be­zo­gene Gefüh­le verknüpft. Die Erfahrungs­berichte, im Fol­gen­den als Fall­beispiele beze­ich­net, wur­den auf Grund­lage von Gesprächen mit Kon­stanze Bey­er ver­fasst und sind in ihrer hier dargestell­ten Form an Vignetten angelehnt, auch wenn es sich bei der vor­liegen­den Unter­suchung nicht um eine Vignetten­forschung han­delt. Es wird mit der Schilderung ein­er Sit­u­a­tion aus dem Geige­nun­ter­richt begonnen, auf die im weit­eren Ver­lauf Bezug genom­men wird. Weit­ere Fall­beispiele beziehen sich auf Reflex­io­nen des Umgangs mit Gefühlen beim Musizieren sowie auf Über­legun­gen zur Ver­mit­tlung von Gefühlen im Unter­richt. Die Fall­beispiele sind durch Kur­sivschrei­bung vom restlichen Text abge­hoben.

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  • 30. November 20253. Dezember 2025

Der musikalische Gegenstand in der Praktik des Komponierens – eine praxistheoretische Rekonstruktion des Subjektmodells des*der Komponist*in

Kristian Haja

[Beitrag als pdf]

Die Debat­te um den musikalis­chen Gegen­stand in der Musikpäd­a­gogik ist seit je her ein lebendi­ges Feld divergieren­der Mei­n­un­gen als auch eine oft unbeant­wortete Leer­stelle. Musikun­ter­richt hat einen Unter­richts­ge­gen­stand im weit­en Sinne und dieser soll mit Musik zu tun haben. Dafür muss allerd­ings klargestellt wer­den, was alles unter „Musik“ fällt. Dadurch geht dieser Selek­tion­sprozess mit einem ähn­lich inten­siv­en Aus­tausch in der Musik­wis­senschaft ein­her, wo die Suche nach dem einen musikalis­chen Gegen­stand eine Büchse der Pan­do­ra an aporetis­chen Fra­gen zu öff­nen ver­mag. Die Tagung Musik als Gegen­stand von Unter­richt ver­suchte sich dieser Frage inter­diszi­plinär zu näh­ern und den Blick auf den musikalis­chen Gegen­stand im Unter­richt durch den Dia­log mit ver­schiede­nen Fachdiszi­plinen der Hochschule zu schär­fen. Dabei ver­sprechen die idiosynkratis­chen und teil­weise antag­o­nis­tis­chen Ideen eines musikalis­chen Gegen­stands in den Fachdiszi­plinen eine mehrdi­men­sion­ale Betra­ch­tung des­sel­ben. Die fach­spez­i­fis­chen Vorstel­lun­gen eines musikalis­chen Gegen­stands gehen dabei immer mit päd­a­gogis­chen Imp­lika­tio­nen ein­her und eröff­nen fol­glich auch Per­spek­tiv­en auf eine päd­a­gogis­che Debat­te.

Der in dieser Tagung einge­bet­tete Dia­log mit dem Kom­po­si­tion­spro­fes­sor der HMT Leipzig, Fabi­en Lévy, unter dem Titel Über Kom­po­si­tion­sun­ter­richt, schulis­chen Musikun­ter­richt und Ethik – Per­spek­tiv­en auf den Gegen­stand der Musik, unter­nahm den Ver­such, zwei fach­spez­i­fis­che Vorstel­lun­gen des musikalis­chen Gegen­stands einem Ver­gle­ich zu unterziehen. Zum einen kon­nte Fabi­en Lévy seinen Blick auf diesen aus kom­po­si­tion­späd­a­gogis­ch­er Per­spek­tive offen­le­gen. Zum anderen ver­suchte ich eine schul­musik­spez­i­fis­che Vorstel­lung darzule­gen und bei­de Per­spek­tiv­en schließlich zu ver­gle­ichen.

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  • 29. November 20253. Dezember 2025

Funktionale Stimmbildung zwischen Körper und Leib.

Philipp Andrae

Über die Kunst der eigenen Stimme hörend beizuwohnen.

[Beitrag als pdf]

Ein­führung

Im All­t­ag ste­ht der Umgang mit der eige­nen Stimme sel­ten in Frage, solange sich keine Belas­tungser­schei­n­un­gen auf­drän­gen und die Stimme prob­lem­los einge­set­zt wer­den kann. Die Beziehung zum eige­nen Spre­chor­gan ist stark von Gewohn­heit geprägt, gle­ich­sam biografisch und kul­turell über­formt. Die Stimme ist in hohem Maße form- und wan­del­bar, wie ver­schiedenar­tige For­men kun­stvollen Sprechens oder Sin­gens demon­stri­eren. Wird von Stimm­bil­dung gesprochen, liegt so gese­hen der Gedanke an die Aus­bil­dung und Entwick­lung der Gesangs- und Sprech­stimme nahe. An erster Stelle ver­weist der Begriff Stimm­bil­dung allerd­ings auf die Form­barkeit der Laute im Kehlkopf und beze­ich­net den Vor­gang der Laut­bil­dung selb­st. Mit ihm lässt sich die Art und Weise der Phona­tion beschreiben und unter­suchen, wie ein Laut entste­ht, wie er geformt und gestal­tet wird. Es gibt unzäh­lige Möglichkeit­en Sprach­laute zu bilden. Der vor­liegende Beitrag beschränkt sich darauf, eine bes­timmte Form der Laut­bil­dung in den Blick zu nehmen: die funk­tionale Stimm­bil­dung. Die Stimme funk­tion­al zu bilden heißt, sie gemäß der naturge­set­zlichen Anforderun­gen des Stim­mor­gans zu gebrauchen, d. h. die physikalis­chen Gegeben­heit­en des Organs selb­st im Vor­gang der Laut­bil­dung zu berück­sichti­gen. Dieser Art des Umgangs mit der men­schlichen Stimme wid­met sich die Licht­en­berg­er® Meth­ode, die auch als funk­tionale Meth­ode beze­ich­net wird.[1] Es han­delt sich hier­bei um eine Form prak­tis­ch­er Stimm­forschung, die auf der Über­tra­gung und Anwen­dung stimm­phys­i­ol­o­gis­ch­er Erken­nt­nisse auf das Sprechen, das Sin­gen und das Instru­men­tal­spiel basiert. Stimm­phys­i­olo­gie ist eine Teild­iszi­plin der Arbeitswis­senschaft (Ergonomie), die sich seit den frühen 1980er Jahren mit den Leis­tungsmöglichkeit­en und Leis­tungs­gren­zen der men­schlichen Stimme befasst. Mith­il­fe der empirisch-prak­tis­chen Erforschung der organ­is­chen Funk­tion­sweise der Stimme kon­nte ein grundle­gen­des Ver­ständ­nis der Voraus­set­zun­gen eines gesun­den Stim­mor­gans entwick­elt wer­den. Die zen­trale Erken­nt­nis stimm­phys­i­ol­o­gis­ch­er Forschung ist, dass muskuläre Anstren­gung im Sin­gen und Sprechen verzicht­bar ist und sich der Vor­gang der Phona­tion durch eine (innere) sen­sorische Aus­rich­tung weit­er­en­twick­eln lässt, welche auf der Wahrnehmung von Sin­nesempfind­un­gen beruht. Die Ver­wirk­lichung dieser Möglichkeit bleibt auf die Her­aus­bil­dung ein­er entsprechen­den Dis­po­si­tion angewiesen, die einen hochspez­i­fis­chen Umgang mit sich selb­st und dem Stimmap­pa­rat voraus­set­zt. Aus ein­er solchen Dis­po­si­tion kön­nte, so die Grun­dan­nahme, ein Zuwachs an Frei­heit, Freude und Leichtigkeit im Kon­takt und Umgang mit der eige­nen Stimme resul­tieren. Der Ver­mit­tlung dieser Fähigkeit wid­met sich die klan­gori­en­tierte Stimm­päd­a­gogik. Dabei han­delt es sich um einen phänom­e­nol­o­gisch ori­en­tierten Ansatz der Gesangs- und Instru­men­talpäd­a­gogik, der am Licht­en­berg­er Insti­tut entwick­elt wurde.

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  • 28. November 20253. Dezember 2025

‚Singen‘ als Gegenstand von Unterricht in Hochschule und Schule –Bericht von einer Podiumsdiskussion

Elke Heiwolt

[Beitrag als pdf]

Unter der Über­schrift ‚Sin­gen im Gesang­sun­ter­richt der Hochschule – Sin­gen im schulis­chen Musikun­ter­richt: Ist Sin­gen im schulis­chen Musikun­ter­richt Gesang­sun­ter­richt?‘ fand als Abschluss der Tagung ‚Musik als Gegen­stand von Unter­richt‘ am 22.6.2024 im Insti­tut für Musikpäd­a­gogik der HMT Leipzig eine Podi­ums­diskus­sion statt, in der das ‚Sin­gen‘ als Gegen­stand von Unter­richt in Schule und Hochschule in den Blick genom­men wer­den sollte.

Ein­ge­laden waren Studierende der Fach­bere­iche Schul­musik und Gesangspäd­a­gogik der HMT Leipzig, Lehrende der HMT Leipzig, Fach­bere­ich Schul­musik,  aus den Bere­ichen Gesang und Musik­di­dak­tik, sowie Musiklehrkräfte, die an Schulen ver­schieden­er Schul­for­men im Fach Musik seit vie­len Jahren unter­richt­en und mit ihren Schüler:innen im Unter­richt sin­gen. Die Idee war, aus den ver­schieden beteiligten Sichtweisen her­aus zu beleucht­en, was im jew­eili­gen Kon­text unter ‚Sin­gen‘ ver­standen wird. Wie kommt ‚Sin­gen‘ in den jew­eili­gen Unter­richt­en vor? Wie und wo und warum wird was von wem gesun­gen? Was wird dort jew­eils eigentlich in Bezug auf das ‚Sin­gen‘ unter­richtet? Inwiefern beziehen sich der Unter­richt ‚Sin­gen‘ in Schule und Hochschule auf den gle­ichen Gegen­stand? So wurde in der Podi­ums­diskus­sion ein Bogen geschla­gen: von Bericht­en über die Real­itäten in Schule und Hochschule in Bezug auf Singe-Unter­richt über eine Diskus­sion zu Sinn und Unsinn dieser Unter­richte, bis zur Entwick­lung ein­er gemein­samen sinnhaften Vorstel­lung davon, wie bei­de Insti­tu­tio­nen sin­nvoller­weise Syn­ergien nutzende Unter­richte in Bezug auf ‚Sin­gen‘ entwick­eln kön­nten. Im Fol­gen­den werde ich kurz über die Vorüber­legun­gen, Vor­bere­itun­gen und Vorge­spräche bericht­en (1), anschließend die Diskus­sion anhand der Diskus­sion­spunk­te ergeb­nisori­en­tiert vorstellen (2), um abschließend einen Aus­blick auf die mögliche sin­nvolle gemein­same Singe-Arbeit in Schule und Hochschule zu geben (3).

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  • 27. November 20253. Dezember 2025

Einleitung zu den Kurzbeiträgen

Christina Griebel

[Beitrag als pdf]

Audio­phob, audio­phil: vom sweetspot der Dishar­monie im laut­losen Tanz der Zeichen

Den fünf musikpäd­a­gogis­chen Beiträ­gen in dieser Aus­gabe schließen sich fünf kürzere Texte an, die lit­er­arische bzw. essay­is­tis­che For­men für das Gegen­stück zur Musik als Gegen­stand entwick­eln: die audi­tive, aurale oder akustis­che Wahrnehmung. For­men entwick­eln heißt in diesem Fall Zeichen dafür find­en, Schriftze­ichen, die an sich laut­los sind, indes sie für Laute ste­hen, die nicht nur von Kul­tur zu Kul­tur, son­dern bere­its von jedem einzel­nen anders gehört und ein­ge­ord­net wer­den. Dass wir uns ihrer bedi­enen, ist eine Arbeits­ba­sis, aber keine Selb­stver­ständlichkeit. Am Aus­gangspunkt ein­er fol­gen­re­ichen Buch­staben­ver­tauschung ste­ht Jacques Der­ri­das Tage­buch­no­tiz: „Den Namen des Namens in Frage stellen.“[1] Wenig später wird ein für e ein a geset­zt: die dif­férance ist in der Welt und trans­portiert for­t­an einen Unter­schied, der nicht zu hören ist; erst die Schrift bringt ihn zu Tage. Es lohnt sich heute vielle­icht mehr denn je, sie in Frage zu stellen. Denken wir laut in Gegen­wart eines dig­i­tal­en Endgeräts und haben verse­hentlich das Sym­bol mit dem Mikrophon aktiviert, ist allzu schnell eine „Sprachi“ unter­wegs, die auf Wun­sch der ungeduldigen Empfän­gerin in dop­pel­ter Geschwindigkeit abge­spielt oder in Buch­staben zum Über­fliegen dargestellt wer­den kann. Auch das Schreiben mit zehn Fin­gern ist nicht mehr nötig, wir kön­nen ein­sprechen, mitle­sen und autoko­r­rigieren lassen. Und ein klein­er Fre­und, der alles weiß, was irgend­wo im Netz ste­ht, hat eine Antwort in Wort und Schrift auf jede Frage, wenn wir ihn nur herein­lassen. – Der Gebrauch von Schrift ist kul­turell und indi­vidu­ell bed­ingt. Es hätte, wäre his­torisch zum Beispiel eine Bilder­schrift zu einem früheren Zeit­punkt glob­al dom­i­nant gewor­den, auch anders kom­men kön­nen oder zumin­d­est im Resul­tat anders aus­ge­se­hen. Kul­turell bed­ingt ist auch das der Schrift voraus­ge­hende und das ihr fol­gende Hören, man denke an die unter­schiedlichen Umschriften gängiger Geräusche, und nicht zulet­zt hört und sieht jed­er Men­sch anders. Ein päd­a­gogis­ches Konzept, das diese Unter­schiede bere­its kurz nach dem Erscheinen der Schriften Der­ri­das sys­tem­a­tisiert und angewen­det hat, ist die Ästhetis­che Bil­dung der Dif­ferenz von Pierange­lo Maset.[2] Der lei­t­ende Gedanke Ich nehme wahr, indem ich unter­schei­de, und unter­schei­de, indem ich wahrnehme schlägt sich in ein­er  kun­st­päd­a­gogis­chen Prax­is nieder, die annimmt, dass zu jedem Bildge­gen­stand eine Man­nig­faltigkeit unter­schiedlich­er Wortgedanken zur Ver­fü­gung ste­ht – und umgekehrt zu jedem Wor­tange­bot eine Man­nig­faltigkeit an Bildern im Kopf.

Das Umfeld, in dem die fünf fol­gen­den Beiträge ent­standen sind, nimmt dieses Prinzip im lit­eralen Sinn beim Wort. Das Sem­i­nar „Schreiben“ – wohlge­merkt: auf keinen Fall „kreatives Schreiben“! – stellt an der Kun­stakademie Karl­sruhe über die Jahre hin­weg einen geschützten Raum und eine zunehmend schützenswerte Zeit für Prax­en der schriftlichen Formfind­ung zur Ver­fü­gung, in denen ein spielerisch fort­ge­set­zter Diskurs die Einzel­po­si­tio­nen gener­iert, aus denen wiederum die Fortschrei­bung des Gesamt­ge­füges sich ergibt. Die im Wochen­lauf entste­hen­den Texte wer­den über­wiegend hörend rezip­iert; im All­ge­meinen liest die Autorin, der Autor vor und entschei­det selb­st, ob der Text zum Mitle­sen für die Anderen bere­it­gestellt wird. Damit ist immer auch der Andere, der anders wahrn­immt, im Spiel.[3] Aus dem Gesamt der Beiträge ein­er Sitzung wird ein Wort, ein The­ma gesucht, das auf alles Gehörte/Gelesene aus dieser Runde zutrifft, sei es auf inhaltlich­er, gram­matikalis­ch­er, konzeptueller, zeichen­the­o­retis­ch­er oder metasprach­lich­er Ebene.  Diesen Begriff nehmen die Anwe­senden mit in die Schreibzeit bis zum näch­sten Tre­f­fen, präsen­tieren dort ihre höchst unter­schiedlichen An-Sätze, um aus dem Gesamt wiederum zur Fort-Set­zung einen Begriff mitzunehmen. So kam es im Juni 2025 nach ein­er Sitzung, in der ein gereimtes Gedicht (an dessen Klang gemein­sam weit­erge­feilt wurde) unter anderem auf das Perzept ein­er ohren­betäubend laut­en türkischen Hochzeit und das Wahrnehmung­spro­tokoll ein­er Train­ing­sein­heit im Fit­nessstu­dio traf, zur gemein­samen Entschei­dung für den Fort­set­zungs­the­ma audio.

Die Resul­tate, gefun­den, nicht gesucht, find­en hier zusam­men. Die fünf Autor*innen sind ihre Herkun­ft betr­e­f­fend ungeachtet der Staats­bürg­er­schaft über jew­eils min­destens ein Eltern­teil min­destens vier Nation­al­itäten zuzuord­nen, zählen sich mehr als ein­fach nur zwei Geschlechtern zu und tra­gen in min­destens zwei Fällen ein diag­nos­tiziertes Hand­i­cap mit ins Spiel, von denen eines hier beim Namen zu nen­nen ist (und im Text andere Namen bekommt): Gehör­los. Repräsen­ta­tiv? –  Ami­ra Baiouis Man­i­fest  /duː bɪst aʊdi̯ oˈfoːp/  ist in Inter­na­tionaler Lautschrift ver­fasst: der Schrift­form, auf die man sich in den Cur­ric­u­la für Gehör­losen­schulen ver­ständigt hat. Sie wird als eigenes Fach unter­richtet. Die Umschrift ins Deutsche und somit nicht in ihre Mut­ter­sprache ist ein Ange­bot an die Lesenden; sie kön­nte auch anders aus­fall­en. Im ide­alen Rezep­tions­fall bekommt man diesen Text vorge­le­sen und liest die Lautschrift selb­st mit. Der Fall, dass man ihn allein entz­if­fert und mit dem inneren Ohr zu hören ver­sucht, ist nicht weniger ergiebig. Der Essay Sweetspot von Ben­jamin Djamel Bel­hocine ist das Por­trait ein­er mit­tler­weile his­torischen (da ver­stor­be­nen und in ihrem regionalen Umfeld rel­a­tiv bekan­nten) Per­sön­lichkeit, die den Punkt, auf dem ein Hör­erleb­nis mit mehreren Sin­nen opti­mal erfahrbar ist, räum­lich und tech­nisch zu ihrem Lebensin­halt gemacht hat. Katha­ri­na Kluge bringt in ihrem Stück 2025.06.23 – Dishar­monien. Schön­berg OP33a. Umkehrung – Kreb­sumkehrung das Prinzip der Zwölfton­rei­he mit­tels ein­er umgekehrt akro­nymis­chen sprach­lichen Set­zung zur Anwen­dung: die Namen der Töne bekom­men, aus­geschrieben, Satz für Satz eine andere Rolle. Richard Lang bring in seinem kurzen Essay Dishar­monien zur Klärung des Begriffs Men­sch und Stim­m­ga­bel auf einen labil schwin­gen­den Nen­ner und Anna Schep­er Rué nimmt, bewusst ohne Titel, den laut­losen Tanz der Artis­ten in ein­er Zirkuskup­pel in den Blick.


Lit­er­atur

Der­ri­da, Jacques: Randgänge der Philoso­phie. Wien 1988.

Maset, Pierange­lo: Ästhetis­che Bil­dung der Dif­ferenz. Stuttgart 1995/Lüneburg 2012.

[1] Der­ri­da, Randgänge der Philoso­phie, S. 51.

[2] Maset, Ästhetis­che Bil­dung der Dif­ferenz.

[3] Maset, Ästhetis­che Bil­dung der Dif­ferenz, Klap­pen­text der Erstaus­gabe von 1995.

  • 26. November 20253. Dezember 2025

/duː bɪst aʊdi̯ oˈfoːp/

Amira Baioui

[Beitrag als pdf]

/ˈtøːnəzɪnd tsʊm ˈkɔtsən/ /ˈdaɪnəˈoːʁən ˈvaɪɡɐn zɪç/ /diː ˈvɛlən ˈpʁalən ap/ /vas nuːn, ʊm tsuː fɛʁ

ˈʃteːən/ /bʊm, pɛŋ, vʊf, ˈmiau/

/zoː vaɪt zoː ɡuːt/ /dɔx vas ɪst mɪt deːn ˈʃviːʁɪɡən ˈtaɪlən/ /diː diː man bɛˈnʊt͡ s, ʊm tsuː

ˈʃʁaɪ̯ ən, tsuː ˈvaɪ̯ nən, tsuː ˈlaχən, tsuː ˈliːbən/

/duː bɪst aʊdi̯ oˈfoːp, ˈaːbɐ­duː vɪl­sts dɪç ˈmɪ­taɪ̯ lən/ /ɪn ˈaɪ̯ nɐˈʃpʁaχə, diː ˈjeːdɐfɛʁˈʃteːt/ /

ˈaɪ̯ nɐˈʃpʁaχə, diː ʊnˈaːhɛŋkɪt maχt/ /nuːn dɛn/ /duː fɛʁˈzuːχts dɪç ɪn das meːʁdeːʁʊnˈaːhɛŋkɛt

ʁaɪ̯ n tsuː ˈʃpʁɪŋən/ /ʊnd duː ʃtɛkst baɪ̯ m ˈvɪbʁant fɛst/

/ˈniːdɐmɪt deːʁˈʃvɪŋʊŋ/ /dɛn ˈam­pliˌtʊdən ʊnd deːn ˈhɛʁtsən/ /zaɪ̯ t daɪn hɛʁts/ /ˈaːbɐdaɪn kɔpf

ʃmɛʁt baɪ̯ m fʁɪkaˈtɪf/ /ʊnd duː hast ˈkaɪ̯ nəlʊst mɛʁˈt͡ svɪʃən ˈaɪ̯ mɐʊnd ˈma­ma aɪ̯ n ˈɡlɔtɪs fɛʁ

ˈʃlʊs tsuː ˈfɪndən/ /fɛʁˈzuːks mal ˈt͡ svɪʃən ˈʔapfəl ʊnd ˈmaŋɡo/

/ˈdaɪnəˈoːʁən ˈvaɪɡɐn zɪç ˈaːbɐˈdiːs­maːl ˈʃpyːʁst duːs/

/vas fyːɐdɪç ˈkʁɪp­tɪʃˈaʊsɪt ɪst fyːɐmɪç/

/aɪ̯ n pɛŋ/

/aɪ̯ n ˈmiau/

/aɪn vʊf/

/ʊnd aɪ̯ n bʊm/

  • 25. November 20253. Dezember 2025

Sweetspot

Benjamin Djamel Belhocine

[Beitrag als pdf]

Der Laden hob sich durch seine Unord­nung von den in der Straße benach­barten Geschäften ab. Die durch Zeitschal­tuhren anges­teuerten Halo­gen­lam­p­en sorgten dafür, dass sein Schaufen­ster zur nächtlichen Stunde eine Lich­tung für den gemeinen Nachtschwärmer wurde. Wie ein großes Aquar­i­um tat er sich zur Straße hin auf und bot den vor­beiziehen­den Augen­paaren eine willkommene Abwech­slung: Der Boden war über­sät mit Kupfer­dräht­en, staubiger Mikroelek­tron­ik, Kalt­stromk­a­beln und Verteiler­buch­sen, Dich­tungsrin­gen unter­schiedlich­ster Größe und Farbe, eingeroll­ten Papier­bö­gen, Dutzen­den von Schallplat­ten, zerknüll­ten Taschen­tüch­ern, gebraucht­en Aschen­bech­ern und halb gefüll­ten PET-Flaschen, von denen einige mit ein­er flu­o­reszieren­den Flüs­sigkeit gefüllt waren. Zwis­chen diesen schnell als Müll verkan­nten Gegen­stän­den befan­den sich mehrere phal­lusar­tige Objek­te unter­schiedlich­er Größe und Farbe, die auf den ersten Blick an zu klein ger­atene Marterpfäh­le oder auf Minia­turen reduzierte Wassertürme erin­nerten. Sie reicht­en ein­er erwach­se­nen Per­son durch­schnit­tlichen Wuch­ses unge­fähr bis zum Brust­bein. Ließ man das Gesamt­bild auf sich wirken, wurde schnell klar, dass diesen Objek­ten in der Raumgestal­tung ein beson­der­er Stel­len­wert zukam, da sie durch mehrere, zusät­zlich zur Deck­en­beleuch­tung ange­brachte Büh­nen­lichter beson­ders in Szene geset­zt wur­den.

Man kan­nte den Besitzer des Ladens in der Stadt, nicht vom Sehen, vielmehr aus Erzäh­lun­gen. Der Tanz der Der­wis­che, die Prax­is des Ser­ma, seit Jahrhun­derten vom Mevle­vi Orden bewahrt und weit­ergegeben, aus­ge­hend von der Stadt Konya und ihrer Sufi-Sek­te, mit­tler­weile angekom­men in Kon­ti­nen­taleu­ropa und dort in die med­i­ta­tive und eso­ter­ische Prax­is aufgenom­men, fand seine Anhänger­schaft in jenen leicht ver­schroben wirk­enden Men­schen, Ver­fechtern der alter­na­tiv­en Leben­sprax­is, zu denen auch der Ladenbe­sitzer zählte. So fand man ihn manch­mal zur Mit­tagszeit auf den öffentlichen Grün­flächen der Stadt und zur anderen Stunde in abgele­ge­nen Waldge­bi­eten unter Auto­bahn­brück­en, umgeben von Jugendlichen mit geweit­eten Pupillen, sich, halb Men­sch, halb Kreisel, wie wild um die eigene Achse drehend.

Während seine in unseren Bre­it­en­graden dur­chaus als exzen­trisch gel­tende tänz­erische Prax­is auf manchen Par­tys Irri­ta­tion oder sog­ar eine gewisse Feindlichkeit her­vorgerufen hätte, beschränk­te er seine Teil­nahme auf ein rel­a­tiv kleines musikalis­ches Spek­trum, dessen Anhänger­schaft gemein­hin als fried­fer­tig und tol­er­ant gilt. So kan­nten ihn die meis­ten der in der Stadt behei­mateten Fans der elek­tro­n­is­chen Tanz­musik schon, die, würde man ihnen eine Eigen­beze­ich­nung abver­lan­gen, sich am ehesten mit dem Etikett des Ravers anfre­un­den wür­den.

Der Besitzer wies sich durch eine an der Laden­front ange­brachte Anschrift selb­st als Dipl. Ing. aus. Dem sich in der Mitte seines Fam­i­li­en­na­mens befind­en­den Dop­pelkon­so­nan­ten hat­te er auf dem Schild durch eine die Kon­ven­tion überge­hende Großschrei­bung einen beson­deren Stel­len­wert eingeräumt – gle­ich sein­er tänz­erischen Rou­tine eine eher unübliche Prax­is für einen der Regel nach Norm- und Richtwerten zuge­wandten Tech­niker. Gle­ich­wohl ließ sich ein gewiss­er Ein­fluss sein­er physikalisch-tech­nis­chen Bil­dung auf den von ihm prak­tizierten Lebenswan­del nicht leug­nen.

In ein­er Szene, in der ver­sucht wurde, der zunehmenden Kom­merzial­isierung und Vere­in­nah­mung prof­i­to­ri­en­tiert­er Akteure durch einen radikal gelebten Do-It-Your­self-Ethos ent­ge­gen­zutreten, waren Men­schen, die über tech­nis­ches Know-how ver­fügten, rar gesät und in Kon­se­quenz her­zlich willkom­men. Wer selb­st schon ein­mal Teil eines Raves war, weiß, dass es sich bei der tech­nis­chen Ausstat­tung des­gle­ichen nicht nur um ästhetis­ches Bei­w­erk, son­dern dur­chaus um eine essen­zielle Kom­po­nente han­delt, mit der das Gelin­gen ein­er Par­ty ste­ht oder fällt. Das Antreten ein­er nächtlichen Odyssee auf dem Sat­tel eines ros­ti­gen Stahlren­ners, die Schlaglöch­er des Wald­wegs, nur spär­lich beleuchtet durch den Mond oder das GPS-fähige Handy, das langsam näher kom­mende Ziel, nur zu lokalisieren durch die GMS-Koor­di­nat­en eines in ein­er Chat-Gruppe ver­bre­it­eten Fly­ers – oder alter­na­tiv: das ewige Warten in der Schlange vor dem Nacht­club, das Zit­tern um den Ein­lass in das unbekan­nte Innere, der kurze Moment des Stand­hal­tens unter dem kri­tis­chen Blick der Türste­herin, das anschließende Büh­nen­stück des Bag-Check­ings auf ille­gale Sub­stanzen – all das will belohnt wer­den. Umso mehr weiß man um die Ent­täuschung, wenn am Ende dieser Mühen keine aus­ge­lassene Par­ty, son­dern eine halb gefüllte Tanzfläche ste­ht, beschallt durch eine völ­lig über­s­teuerte Anlage, die es schafft, jeden noch so guten Track auf die basal­sten Fre­quen­zen zu verdicht­en. Um der­lei Erfahrun­gen zu ver­hin­dern, hat­te sich der in geistlichen wie weltlichen Belan­gen gle­icher­maßen geschulte Ladenbe­sitzer dem Sich­er­stellen der ele­men­tarsten Infra­struk­tur jen­er Ver­anstal­tun­gen ver­schrieben – den Box­en.

Am Laden war neben dem Namenss­child ein zweites, kleineres, fast zu überse­hen­des Schild ange­bracht, auf dem in Großbuch­staben eine nüchterne Funk­tionskennze­ich­nung vorgenom­men wurde: HIFI-LAUTSPRECHERMANUFAKTUR.

Unter Szenekundi­gen kur­sieren Geschicht­en über den Teil des Ladens, der sich hin­ter dem Schaufen­ster ver­barg. Neben den auf Par­tys ver­bre­it­eten Anek­doten ließ sich in einem kleinen, deutschsprachi­gen Inter­net-Forum ein Bericht wiederfind­en, der eine dur­chaus ungewöhn­liche Erfahrung beschrieb:

Der Ein­trag des mit­tler­weile gelöscht­en Accounts begann mit der zufäl­li­gen Sich­tung des Laden­in­hab­ers vor seinem Schaufen­ster. Auf die Objek­te in der Fen­ster­front ange­sprochen, bat der Ladenbe­sitzer den Inter­essierten nach einem kurzen Gespräch, bei dem er sich trotz fehlen­der Exper­tise von dessen Inter­esse und Offen­heit überzeu­gen kon­nte, ins Innere. Der Besitzer wurde als ein in die Jahre gekommen­er, leicht ver­lot­tert wirk­ender, älter­er Mann beschrieben, dessen hageres Gesicht von einem lan­gen weißen Bart und ein­er rand­losen Brille mit Draht­gestell einger­ahmt wurde, hin­ter der klare, blaue Augen her­vor­blitzen. Er hat­te sich in sein­er Werk­statt­tätigkeit nach eige­nen Angaben dem Eli­m­inieren des schwäch­sten Glieds zwis­chen Laut­sprech­er und men­schlichen Höror­gan angenom­men: dem Wieder­gaber­aum. Durch die indi­vidu­elle, die Laut­sprech­er beherber­gende Umge­bung komme es zu Schall­re­flex­io­nen und zur Ver­stärkung einzel­ner Fre­quenzbere­iche, die ver­hin­derten, dass das wiedergegebene Medi­um in sein­er voll­ständi­gen Schärfe abge­bildet werde. Es sei möglich, diesem Prob­lem durch das Über­führen der Laut­sprech­er in das akustis­che Nah­feld zu begeg­nen, also in den Bere­ich um das Sin­nesor­gan, in dem es zu kein­er­lei Ein­flussnahme äußer­er Fak­toren komme. Die ide­ale Posi­tion für den Rezip­i­en­ten, so der Ladenbe­sitzer, ließe sich dabei rech­ner­isch bes­tim­men: Stelle man sich die zwei Aus­gabesys­teme eines Stere­osig­nals als Eck­punk­te eines gle­ich­seit­i­gen Dreieck­es vor, so lokalisiere der dritte zu berech­nende Eck­punkt die ide­ale Abhör­po­si­tion für das vorge­fun­dene Medi­um. Für diesen beson­deren Ort, an dem das akustis­che Erleben sich im Ver­hält­nis zu alter­na­tiv­en Rezep­tion­sorten in Tiefe, räum­lich­er Präzi­sion und Bril­lanz selb­st über­trifft, habe sich unter Audio­philen, so erläuterte er, die Beze­ich­nung des Sweet Spots einge­bürg­ert.

Nach dieser kurzen Ein­führung wurde der Gast in den hin­teren Teil des Ladens geführt, der sich vom Vor­raum vor allem durch seine klin­is­che Rein­heit abhob. Er beherbergte weit­ere der im Schaufen­ster präsen­tierten phal­lusar­ti­gen Objek­te, die von einem weißen, grellen Deck­en­licht aus­geleuchtet wur­den. Sie waren in präzisen ovalen Kreisen um einen met­al­lenen Stuhl mit draisi­ne­nar­tigem Unter­bau drapiert, der sich in der Mitte des Raumes befand. Ihr organ­is­ches Äußeres unter­schied sich, abge­se­hen von ihrer Far­bge­bung, nur durch Nuan­cen voneinan­der. Wie ein Fremd­kör­p­er hob sich der Stuhl von ihren natür­lichen For­men durch sein kaltes, auf reine Funk­tion­al­ität bedacht­es Antlitz ab. Der Boden war von ein­er Schicht fix­iert­er Kabel über­zo­gen, von denen einzelne unver­mit­telt in den Objek­ten ende­ten. Viel mehr war nicht zu sehen.

Der Ladenbe­sitzer forderte seinen Gast dazu auf, auf dem Stuhl Platz zu nehmen und erläuterte den weit­eren Fort­gang. Die Anord­nung sei ein Ver­such­sauf­bau, um den von ihm beschriebe­nen Effekt plas­tisch erleb­bar zu machen. Der auf Schienen geführte Stuhl ermögliche einen naht­losen Über­gang vom Fern- ins Nah­feld. Beim Ein­tritt in den Bere­ich des Sweetspots über­trage sich die audi­tive Dif­ferenz direkt auf die Qual­ität des sinnlichen Erlebens. Eine Erfahrung – und hier zwinkerte der Ladenbe­sitzer seinem Gast ver­schmitzt zu – die man nicht ver­mit­teln könne, son­dern selb­st machen müsse.

Der Gast fol­gte den weit­eren Instruk­tio­nen des Ladenbe­sitzers. Nach­dem er auf dem Stuhl Platz genom­men hat­te, wurde er von ihm durch einen unter­halb seines Bauchn­abels ver­laufend­en Gurt fix­iert. Erst als seine Frage, ob der­lei Vorkehrun­gen für das Vor­führen des Effek­ts über­haupt von­nöten seien, unbeant­wortet blieb, bemerk­te er, dass der Ladenbe­sitzer den Raum ver­lassen hat­te. Ab diesem Moment war ein dezentes, dann jedoch stetig anschwellen­des Sur­ren zu vernehmen, dessen Herkun­ft zweifel­los in den Objek­ten behei­matet war. Sich über immer größere Fre­quenzbere­iche aus­dehnend, wuchs es zu einem den Raum aus­fül­len­den Dröh­nen an. Plöt­zlich ver­nahm der Besuch­er wieder die Stimme des Ladenbe­sitzers, die nun eben­falls aus den Objek­ten zu ihm sprach. Der Stuhl werde sich nun langsam in Rich­tung des Sweetspots bewe­gen, dem anzus­treben­den Ziel jed­er akustis­chen Erfahrung.

An diesem Punkt wurde der Bericht bruch­stück­haft. Der Inter­net­nutzer erin­nerte sich nur noch an

den sich unter seinen Füßen bewe­gen­den Boden
das alles ein­nehmende Dröh­nen
einen Wider­stand
das Geräusch ein­er zu Boden fal­l­en­den Steck­nadel
ihr Auf­prall, lange Zeit nachk­lin­gend
der sich in die Weite auftuende Raum
das Lachen des Ladenbe­sitzers
die sich auf der Haut aufrich­t­en­den Haar­fol­likel und
das Ent­gleit­en des Bewusst­seins.

Damit fand der Bericht abrupt sein Ende.

In ein­er Szene, in der der Gebrauch psy­chotrop­er Sub­stanzen weit­flächig toleriert wird, war die Chance der Ein­flussnahme der­gle­ichen auf die Genese des Berichts nicht unwahrschein­lich. Den­noch über­schnitt die Darstel­lung sich mit einem Detail, das über die nächtliche Abendgestal­tung des Ladenbe­sitzers bekan­nt war. So erzählte man sich, wolle man es darauf anle­gen, der physis­chen Man­i­fes­ta­tion dieses Orig­i­nals zu begeg­nen, sei für dessen Auffind­en ein wichtiges Ele­ment der Erzäh­lung zu berück­sichti­gen:

Sei vor dem Betreten eines Raves die Gegen­wart des von Mythen umranke­nen Tänz­ers noch ungewiss, ließe sich der Ort sein­er poten­ziellen Anwe­sen­heit auf der Tanzfläche bere­its vor­ab mit math­e­ma­tis­ch­er Präzi­sion lokalisieren, an dem er sich seinen zu diesem Zeit­punkt noch hypo­thetis­chen Pirou­et­ten hingeben würde: Am Sweetspot, diesem beson­deren Ort, zu berech­nen durch den drit­ten zu bes­tim­menden Eck­punkt eines sich mit den Laut­sprecher­an­la­gen ergeben­den gle­ich­seit­i­gen Dreiecks, der ide­alen Abhör­po­si­tion für jede vorge­fun­dene Geräuschkulisse, an der das akustis­che Erleben sich im Ver­hält­nis zu alter­na­tiv­en Rezep­tion­sorten in Tiefe, räum­lich­er Präzi­sion und Bril­lanz selb­st über­trifft, eben genau dort, am einzig vorstell­baren Ort für einen Con­nais­seur dieser Art, dem Honig­topf jed­er Par­ty, sei es möglich, den um die eigene Achse rotieren­den Her­rn gle­ich einem sel­te­nen Natur­ereig­nis zu erblick­en.

Und sollte ich dem sich in sein­er kon­tem­pla­tiv­en Prax­is ver­lieren­den Tänz­er jemals auf einem mein­er Streifzüge durchs Nachtleben begeg­nen und sehen, wie er sich mit geschlosse­nen Augen und zur hin­duis­tis­chen Grußgeste erhobe­nen Hän­den seinen unendlichen Kreisen hin­gibt, werde ich kurz innehal­ten, meine Hände eben­falls zum Gruße erheben und ihm ein warmes Namaste ent­geg­nen.

  • 24. November 20253. Dezember 2025

2025.06.23 — Disharmonien

Katharina Kluge

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Schön­berg OP33a
Umkehrung – Kreb­sumkehrung

Bei Eskapis­mus assozi­ieren alle Halt­losigkeit durch gegebene fabel­hafte cis­lunare Cadav­er fis­chähn­lich­er Erzeug­nisse.

Halt­losigkeit erzeugt aller­hand bedeu­tungslose Cadav­er, esel­hafte Gis­cht, fis­chähn­lich, durch­drin­gende cis­lu­nar gestal­tete Fabeln.

Cadav­er fab­rizieren bedeu­tungslose Halt­losigkeit cis­lunar­er Essay­is­ten, aber geben essen­zielle durch­drin­gende gis­chthafte Fis­che.

Cis­lunare Fis­che hal­ten Cadav­er durch Frust bewusst assozi­iert­er Ereignisse eskaliert­er Abhängigkeit gegeben.

Durch­weg geben Cadav­er, cisu­lar­er Dis­sozi­a­tio­nen, Fis­chen halt, aber fehlen erken­nen­der, ais­chrol­o­gis­ch­er Gis­cht.

Eskalierende Gis­cht cise­liert durch Ein­wirkun­gen gegen Cadav­er bei fis­chi­gen Fabeln hoher Ansprüche.

Eventuell anders durch­dacht, esko­rtieren fremde Gis­cht­en cis­lunare Hal­tun­gen gegen fis­chige chro­ma­le Belas­tun­gen.

Für bei­de Eskala­tion­sstufen erfind­en Fis­che andere Denkmuster chroma­pher Gis­cht gegen cis­lunare Hal­tun­gen.

Fis­che haben Ein­fluss für Gegen­stände beim Esko­rtieren cis­lunar­er, arti­fizieller Gis­cht durch Chro­matogra­phie.

Ganz cam­ou­flierte, find­i­ge, fis­chige Gis­cht hat erzeugt, dass bedeu­tende Anliegen essen­ziell ciseliren.

Gis­cht cise­liert Fis­che gegen alle Cam­ou­flage für essen­zielle Halt­losigkeit bei einem Durch­bruch.

Anders dage­gen gibt Gis­cht bei cise­lieren­den Fis­chen ein­er Chance Halt für Essen­zielles.


Nach­satz:

Der Text Dishar­monie basiert auf den Noten­beze­ich­nun­gen von Schön­bergs Klavier­stück op 33a: Rei­hentabelle 1. So ergeben sich pro Zeile 12 Wörter wegen der 12 Noten und 12 Zeilen wegen der 12 Zeilen auf dem Noten­blatt. Schön­berg ver­wen­dete für seine Kom­po­si­tio­nen die Zwölfton­tech­nik, welche eine Meth­ode ist, bei der eine Rei­he von zwölf Tönen ver­wen­det wird. Dabei wieder­holt sich kein Ton inner­halb der Serie. Diese Art der Kom­po­si­tion führt zu einem Klag, der von vie­len als Dishar­monisch wahrgenom­men wird.

  • 23. November 20253. Dezember 2025

Disharmonien

Richard Lang

[Beitrag als pdf]

Es ist kein Fen­ster, es ist ein Ton, einge­fan­gen in sicht­bar­er Form; ein Ver­such nicht der Darstel­lung, son­dern der, eine dem Betra­chter inne liegende Schwingung anzure­gen – zu verge­gen­wär­ti­gen, präsent zu machen – ein wom­öglich über­grif­figer Akt, nicht immer gewün­scht, aber all­ge­gen­wär­tig. Impres­sion?

Man spricht von Kom­po­si­tion, nicht bloß wegen der Ord­nung der Dinge im Raum, son­dern weil jedes Arrange­ment ein Klangkör­p­er ist, bere­it, sich in jeman­dem zu ent­fal­ten.

Ein Werk bleibt stumm, wenn nie­mand da ist, der in sich die entsprechende Stim­m­ga­bel trägt. Wahrnehmung: kein Emp­fang, son­dern Res­o­nanz­ereig­nis ohne Über­tra­gung.

Ein Impuls, der sein Gegen­stück im Inneren braucht, um Bedeu­tung zu erzeu­gen.

Präsenz hat Schwingung, ist Schwingung, stellt ein kon­stantes Sig­nal dar.

Der Men­sch, nie unbe­wegt: Seine Gabel schwingt schon, bevor das Werk ihn trifft, der Gegen­stand ihm begeg­net. Ein unen­twegter Grundzu­s­tand.

Und wenn die Fre­quen­zen sich nicht tre­f­fen, die Fre­quen­zen sich ver­fehlen – keine Ver­stärkung – keine kon­struk­tive Inter­ferenz.

Har­monis­che Oszil­la­tion, nur Kon­strukt: Die Annahme, es gebe eine Mitte, eine Gle­ich­stel­lung des Innen und Außen. Eine Reak­tion, die der Reizung gle­ich ist.

Dishar­monie, die Stim­m­ga­bel im Men­schen, kein beliebiges Mitschwin­gen. Gebaut aus Erfahrung, Erin­nerung, Erwartung – gewach­sen und durch eine Exis­tenz be- und ges­timmt.

Niemals har­monisch mit dem Gegenüber im Moment der Begeg­nung; etwas, das sich nicht aufgeben kann, nur um mitzuschwin­gen, dem rezip­ieren­den Wesen hier gle­ichar­tig.

Dishar­monie: ein nahezu har­monis­ches Mit-Schwin­gen oder gän­zliche Dis­sozi­a­tion.

  • 22. November 20253. Dezember 2025

Untitled

Anna Scheper Rué

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Über dem Ein­gang hängt ein Schild, schw­er zu entz­if­fern. Es kön­nte Sieg heißen oder auch Gefahr.

Wir rit­u­al­isieren Bewe­gung, das Band, das uns vere­int ist Hitze, hohes Fieber. Unser Spiel­raum ist der Kreis.

Wir bewe­gen uns auf dem sandi­gen Pfad. Ein Turm, ein Ring, ein weißer Vogel. Alles ist absurd entzück­end. Doch das Beste befind­et sich in der Mitte, der Höhep­unkt unseres Bemühens.

Im Halb­dunkel drehen wir uns um seine Sil­hou­ette, ent­ge­hen dem Sprung nur durch stetige Bewe­gung.

Wir bieten unsere Arme- wund im ewigen Kreis­lauf ver­bun­den.

Wir bieten unser Gesicht.

Wir wer­den bezahlt fürs Kreisen, also kreisen wir.

Das Pub­likum zieht uns in seinen Bann, lässt uns nicht gehen oder warten. Wir flüstern:

Atme nicht, bewege dich nicht, während wir unseren Kurs hal­ten, Stunde um Stunde schneller den Ring ent­lang.

Schim­mernde Bruchteile fall­en vom Him­mel, wir drehen uns dazwis­chen.

Der Boden, den wir abgenutzt haben, längst zu feinem Staub gerieben, wird aufgewirbelt durch den steti­gen Tanz. Er wird unken­ntlich, dif­fus im schillern­den Regen. Dro­ht unter uns zu brechen, also ver­legen wir unser Kreisen in die Luft.

Über uns fliegen wir in glänzen­der Uni­form, schnei­den die Luft in rasenden Bah­nen, immer bemüht, den suchen­den Blick­en zu entkom­men.

Per­petuelles Gle­ichgewicht ist die Voraus­set­zung auf unserem orbital­en Weg.

Ver­bun­den durch sil­berne Zöpfe, durch den ganzen Raum ges­pan­nt, hal­ten wir nichts von Net­zen, wir sind auf unserem rauschen­den Höhen­flug.

Doch dann ein fataler Fehler. Ein dis­tink­tiv­er Schmerz in der recht­en Schul­ter. Er kann ihn kaum ertra­gen. Sein Griff ist lock­er, er kommt ins Schwanken.

Etwas fällt vom Him­mel.

Wir wirbeln darunter.

Wir verehren es.

Wir geben ihm einen Namen.

Die dun­kle Gestalt set­zt zum Sprung an.

 

EINLADUNG

Komm vor­bei und schau dir unseren Tanz an. Wir wer­den das Licht so weit dim­men, dass man kaum etwas sehen kann.

  • 21. November 20253. Dezember 2025
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